Kapitel 1
Über 3.000 Stimmen zur frühen Bildung in Deutschland Die Ergebnisse der Online-Befragung zur Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland.

| dkjs/P. Chiussi

Wie schätzten Eltern, Fachkräfte und andere Akteure der frühen Bildung die Qualität in Kitas und Kindertagespflegestellen in ihrer Region ein? Unterscheidet sich das Bild, das Eltern von der Betreuungsqualität in Deutschland haben, deutlich von dem der frühpädagogischen Fachkräfte? Und gibt es regionale Unterschiede? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, startete Qualität vor Ort im Januar 2016 eine Online-Umfrage. Fast ein Jahr lang konnten Interessierte gute Beispiele, aber auch Achtungszeichen in Bezug auf die Qualität der frühen Bildung in Deutschland aufzeigen. Am Ende konnte das Programm die Antworten von 3.482 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auswerten.

Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

Die Teilnehmenden konnten sich fünf Personengruppen zuordnen, aus deren Perspektive sie die Umfrage ausfüllen wollten, nämlich Kinderbetreuungspraxis, Eltern, Politik, Verwaltung und Sonstige.

Die große Mehrheit der Umfrageteilnehmenden stellen Personen aus der Kinderbetreuungspraxis (46%) und Eltern (37%) aus dem gesamten Bundesgebiet dar. Ihre Antworten sollen im Folgenden genauer in den Blick genommen werden.

Rund 35% der Umfrageteilnehmenden nutzten zusätzlich die Gelegenheit, sich bei einem der 50 Dialoge zur frühen Bildung auszutauschen, die Qualität vor Ort im letzten Jahr in ganz Deutschland organisiert hat. Akteure der frühen Bildung diskutierten auf diesen Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen, konnten voneinander lernen und gemeinsam Lösungsstrategien für die Herausforderungen vor Ort entwickeln.

Gute Noten für die Kindertagesbetreuung

Über 80% der befragten pädagogischen Fachkräfte schätzen die Qualität der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland als „gut“ oder sogar „sehr gut“ ein. Das stimmt mit der Bewertung über ein, die die Eltern von Kindern im Kita-Alter in der Umfrage abgegeben haben. Fast jeder Fünfte gab hier die Note „sehr gut“. Und doch bewerteten auch 15% der befragten Eltern sowie 16% der befragten Fachkräfte die Qualität als „eher schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“.

Kapitel 2
Genauer nachgefragt Qualitative Fragen ermöglichen einen Tiefenblick in die Regionen.

| dkjs/P. Chiussi

Um Gründe für diese Einschätzung zu finden, wurde in der Umfrage weiter nachgefragt. Was genau läuft so gut in manchen Regionen? Welche Bedingungen müssen für gute Qualität erfüllt sein und wo gibt es noch Bedarf für Nachbesserungen? Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihre persönliche Perspektive auf das Thema Qualität in der frühen Bildung genauer zu erklären:

»Wenn Sie an die Situation in Ihrer Region denken, was läuft richtig gut bei Ihnen? Worüber freuen Sie sich?«
»Was läuft nicht so gut? Worüber ärgern Sie sich?«
Engagierte Fachkräfte als Motor für Qualität

Vielfach wurde in den offenen Antworten benannt, dass Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung mit großem Engagement ihre Arbeit machen. Häufig wurden Beispiele genannt, in denen der Einsatz der Erzieherinnen und Erzieher auch unter schwierigen Rahmenbedingungen vorbildlich ist. Ob Verwaltung, Eltern oder die Fachkräfte selbst – alle Zielgruppen loben die Leidenschaft, mit der im Alltag für die Kinder gearbeitet wird.

Doch die Arbeit bis an die Belastungsgrenzen hat für die Erzieherinnen und Tagespflegepersonen häufig negative Konsequenzen. Viele der Befragten aus der Praxis berichten von Krankheitsausfällen wegen Überlastung der Fachkräfte. Als Konsequenz fehlt vielerorts noch mehr Personal in den Kitas und Kindertagespflegestellen.

Das richtige Maß an Selbstfürsorge

Nur eine gesunde und starke Fachkraft kann für die Kinder das Beste geben. Aber wie wird man als Erzieherin oder Erzieher allen Kindern und gleichzeitig den eigenen Bedürfnissen gerecht? Zu dieser Frage tauschten sich zahlreiche Akteure der frühen Bildung beim Qualitätsdialog in Saarbrücken aus. Auch Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Eva Hammes-Di Bernardo, Referentin für frühkindliche Bildung und Betreuung im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, diskutierten hier mit.

Zeitmangel als Herausforderung

Als herausforderndste Rahmenbedingung beschreiben die Teilnehmenden der Umfrage den Fachkraft-Kind-Schlüssel sowie den Personal- und Fachkräftemangel im frühkindlichen Bereich. Aus den Antworten auf folgende Frage geht hervor, dass 69% der befragten Eltern im Alltag spüren, dass es zu wenig Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas ihrer Kinder gibt.

In den offenen Antwortformaten wurden auch die unzureichende Menge an Kita-Plätzen, vor allem aber auch an Ganztagsplätzen für Grundschulkinder als Schwierigkeit benannt. Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtungen würden häufig nicht den Bedürfnissen der Eltern gerecht – vor allem Alleinerziehende sehen ihre Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt.

Betreuungsproblem ab der 1. Klasse?

Auf dem Fachtag „Ganztag gemeinsam“ diskutierten rund 200 Teilnehmende, wie Kooperationen zwischen Jugendhilfe und Schulen die Nachmittagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter verbessern können.

Vernetzt geht es besser

Viele Positivbeispiele beziehen sich auf den gelungenen Austausch, die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den Akteuren der frühen Bildung. Gleichzeitig beschreiben auch einige Teilnehmende, wie mangelnde Kooperation zwischen den Einrichtungen der frühen Bildung vor Ort als große Hürde für die Qualitätsentwicklung gesehen wird.

Zitat eines Teilnehmenden aus der Gruppe Verwaltung |
Zitat eines Teilnehmenden aus der Gruppe Verwaltung |

Vernetzen Sie sich vor Ort und bringen Sie so die frühe Bildung in Ihrer Region voran. Qualität vor Ort unterstützt Sie dabei mit einem breiten Angebot an kostenlosen Unterstützungsformaten.

Kapitel 3
Verbesserungspotentiale Aus Sicht der Umfrage-Teilnehmenden

| dkjs/P. Chiussi

Aus den Antworten auf die quantitativen und qualitativen Fragen der Online-Umfrage können einige Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Qualität der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung abgeleitet werden. Obwohl die Rahmenbedingungen in allen Bundesländern, bei allen Trägern und in allen Einrichtungen ganz unterschiedlich sind, lassen sich doch Kategorien identifizieren, in denen sich die Befragten aus Betreuungspraxis, Politik, Verwaltung und Elternschaft geschlossen für Veränderungen aussprechen. Exemplarisch werden auch hier die Ergebnisse der beiden größten Befragtengruppen, Eltern und Betreuungspraxis, gegenübergestellt.

Womit ließe sich bei Ihnen vor Ort schon nach kurzer Zeit eine deutliche Verbesserung erzielen?
Eltern (n=1074)
| Eltern (n=1074)
Praxis Kinderbetreuung (n=1406)
| Praxis Kinderbetreuung (n=1406)
Jeder kann einen Beitrag leisten!

Nur gemeinsam erreichen wir das Ziel, die Qualität der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung stetig weiterzuentwickeln und auszubauen. Wie Sie sich über das Programm Qualität vor Ort einbringen und so die Qualitätsanliegen in Ihrem Ort bearbeiten können, erfahren Sie auf unserer Website.