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Umfrage unter 1.000 Kita-Eltern Mütter und Väter von Kita-Kindern geben an, die Qualität ihrer Einrichtungen gut einschätzen zu können. Gespräche mit den Erzieherinnen und Erziehern vor Ort, denen sie großes Vertrauen entgegenbringen, sind ihre Hauptinformationsquelle.

| Kita Ritterburg, Berlin

In diesen Tagen gehen zahlreiche Kinder zum ersten Mal in die Kita oder zu ihrer Tagesmutter. Das ist für die Kleinen ein großer Schritt – aber auch für die Eltern, die ihre Schützlinge in die Hände von zunächst noch fremden Menschen geben. Das erfordert großes Vertrauen: sowohl in die Qualität der Kindertageseinrichtung als auch in die dort angestellten Fachkräfte. Eine Umfrage des Politik- und Sozialforschungsinstituts Forsa unter 1.000 Eltern mit Kindern in Kindertageseinrichtungen ergab, dass Eltern den Erzieherinnen und Erziehern dieses Vertrauen entgegenbringen. Sie sind zudem überzeugt, gut einschätzen zu können, wie es um die Qualität in ihren Einrichtungen bestellt ist.

Fachkräfte erhalten großes Vertrauen und sind gleichzeitig hohen Ansprüchen ausgesetzt

67 Prozent der befragten Eltern geben an, den Erzieherinnen und Erziehern in ihrer Kita oder den Fachkräften in der Kindertagespflege voll und ganz zu vertrauen. Nur fünf Prozent vertrauen dem Personal eher nicht oder sogar gar nicht.

Verantwortung für Qualität liegt beim Personal

Das ist wichtig, denn gleichzeitig sehen Mütter und Väter vor allem die Fachkräfte in der Pflicht, eine gute Betreuungsqualität herzustellen. 52 Prozent der befragten Eltern, die ein Kind in einer Kita haben, gaben dies in der Befragung an. 27 Prozent von ihnen sehen die Träger der Einrichtungen in der Hauptverantwortung. 12 Prozent denken, die Verantwortung für die Qualität in den Kitas liege vor allem bei der Politik und nur ein Prozent der Eltern sieht die Jugendämter als Hauptverantwortliche. Bei den Eltern, deren Kind bei einer Kindertagespflegestelle betreut wird, sehen sogar 80 Prozent der Befragten die Verantwortung in erster Linie bei der Tagesmutter oder dem Tagesvater. An zweiter Stelle, aber weit abgeschlagen mit neun Prozent, sehen sie sich als Eltern in der Pflicht.

Die Rolle des Jugendamts ist Eltern nicht bekannt

Nur 1 Prozent der Kita-Eltern bzw. 3 Prozent der Eltern, die die Kindertagespflege nutzen, nennen das Jugendamt als hauptverantwortlich für die Qualität – weit abgeschlagen, noch hinter dem Einfluss, den Eltern sich selbst zuschreiben. Dabei hat das Jugendamt als sog. öffentlicher Träger der Kinder- und Jugendhilfe eine besonders wichtige Rolle bei der Qualitätssicherung und –entwicklung von Kitas und der Kindertagespflege. Kindertagesbetreuung ist öffentlich gefördert und wird über das Jugendamt geplant, koordiniert und teilweise auch gesteuert. In allen Netzwerken und Modellkommunen, die sich an Qualität vor Ort beteiligen, ist das Jugendamt wichtiger Partner, häufig sogar Impulsgeber für Veränderungen.

Engagement und Mitbestimmungsmöglichkeiten reichen aus

Fachtag: Wie können Eltern ihren Einfluss nutzen, um die Betreuungsqualität voranzubringen?

Eltern sehen also vor allem das Kita-Personal in der Pflicht, für gute Qualität der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung zu sorgen. Deshalb ist es erfreulich, dass über die Hälfte der Befragten auch überzeugt ist, dass sich die Fachkräfte in Kitas und Kindertagespflege täglich gut für optimale Qualität einsetzen. 39 Prozent der Mütter und Väter geben an, sich auch selbst voll und ganz einzubringen und die Erzieherinnen und Erzieher aktiv zu unterstützen. Bei weiteren 35% der Befragten ist das manchmal der Fall. Die Möglichkeiten, die zur Mitbestimmung von Eltern in den Kitas und der Kindertagespflege bestehen, finden 17 Prozent der Befragten nicht ausreichend.

Dialoge mit Fachkräften als Hauptinformationsquelle – Elternabende weniger wichtig

Fast alle befragten Eltern sind der Meinung, dass sie die Qualität in der Kita oder Kindertagespflegestelle, in der ihr Kind betreut wird, gut einschätzen können. 94 Prozent der Befragten, deren Kind in einer Tagespflege betreut wird, gaben an, sehr gut oder gut einschätzen zu können, wie es um die Qualität in der frühen Bildung dort bestellt ist. bei den Eltern, deren Kindern in Kitas betreut werden, waren es 91 Prozent.

Als Informationsquelle über die Arbeit vor Ort nutzen sie dabei vor allem Gespräche mit den Fachkräften vor Ort. Diesen Austausch finden sie noch wichtiger als die Erzählungen ihrer Kinder selbst. Über die Bring- und Abholsituation erfahren die Eltern nach eigenen Aussagen ebenfalls eine Menge über die Situation in der Einrichtung – genauso wie über die  individuellen Entwicklungsgespräche und Dokumentationsbögen, die das Kita-Personal ausfüllt. Demgegenüber sind für Eltern die klassischen Beteiligungsformate wie der Elternabend oder besondere Eltern-Kind-Aktivitäten weniger informativ. Auch Gespräche mit anderen Eltern haben für die Befragten wenig Relevanz, um sich über die Qualität der Betreuung in der Einrichtung zu informieren.

Zu wenig Anerkennung für Erzieherinnen und Erzieher

Ein Beruf mit viel Verantwortung sollte in der Öffentlichkeit auch hoch angesehen werden. Mütter und Väter sahen in der Umfrage allerdings starken Nachholbedarf, was die öffentliche Anerkennung der Arbeit von Kita- und Tagespflegefachkräften angeht. 79 Prozent der Befragten finden, dass die Arbeit in diesem Berufsfeld zu wenig anerkannt wird.

zur Umfrage

Für die Erhebung hat das Politik- und Sozialforschungsinstitut Forsa im April und Mai 2017 insgesamt 1.000 Mütter und Väter telefonisch befragt. Auftraggeber der Umfrage war Qualität vor Ort.