"Jede Kita muss ihren eigenen Weg finden"

Dr. Christa Preissing vom Berliner Institut für Qualitätsentwicklung (BeKi) erklärt im Interview, warum standardisierte Kitas gar nicht das Ziel eines Qualitätsentwicklungsprozesses sein können.

Interview: Senem Kaya

Christa Preissing und ihr Team vom Berliner Institut für Qualitätsentwicklung (BeKi) haben in den letzten Jahren mehr als 2.000 Kitas in Berlin evaluiert.

 

Frau Preissing, wie unterschiedlich ist die Qualität in Berliner Kitas?

Wir haben immer noch eine Heterogenität, aber es gibt eine Tendenz zur Vereinheitlichung. Das kommt von dem systematischen Entwicklungsprozess und weil wir viel mit Multiplikatorinnen arbeiten, die eine Qualifizierung durch unser Institut bekommen. Es gab viele Diskurse, um sich darüber zu verständigen, wie Kitas in ihrer Qualitätsentwicklung unterstützt werden können. Wir haben das jetzt auch durch die Analyse von Kitakonzeptionen gesehen und durch Praxisbefragungen. An welchen Stellen sind Kitas die nächsten Schritte ihrer Qualitätsentwicklung gegangen? Es gibt Punkte, wie die aktive Beteiligung der Kinder an ihrem Leben in der Kita, bei denen es in den letzten Jahren einfach trendmäßig einen ganz großen Sprung gegeben hat. Auch in der Zusammenarbeit mit den Eltern unterschiedlicher Herkünfte ist viel passiert. An der Raumgestaltung hat sich einiges geändert, um das aktive Lernen bei Kindern zu unterstützen und herauszufordern. Die Eigeninitiative der Kinder zu stärken und dieses Forschende, Entdeckende Lernen stärker in den Mittelpunkt zu stellen, statt einfacher Beschäftigungsangebote.

 

Geben Sie den Kitas Standards vor, um eine gewisse Qualität zu erreichen?

Wir sprechen nicht von Qualitätsstandards. Wir haben natürlich Ziele, aber jede Kita muss ihren eigenen Weg finden, wie sie diese Ziele konkret ausfüllt. Ich will keine standardisierten Kitas, dafür ist die Stadt hier viel zu bunt. Eine Kita in der Plattenbausiedlung muss zum Beispiel ganz anders arbeiten als ein Waldkindergarten in dem wohlhabenden Steglitz.

 

Sind alle Kitas offen, sich an einem Qualitätsprozess zu beteiligen?

Erstaunlich offen, wir merken das an den Praxisbefragung, die wir durchführen. Wir erfassen dabei alle Kitas und haben sagenhafte Rückläufe. Das zeigt uns auch, dass die Kitas selber auch Interesse daran haben, rückzumelden, was sie alles an engagierter Arbeit tun. Wir haben hier natürlich einerseits auch eine Verbindlichkeit und Verpflichtung, dass die Kitas zum Beispiel auch alle extern evaluiert werden. Grade mit Ende diesen Jahres haben wir den ersten Zyklus abgeschlossen, bei dem alle Kitas extern evaluiert werden sollten. Und wir haben wirklich nur zwei Hände voll Kitas, die nicht mit gemacht haben - bei mehr als 2000. Außerdem haben wir die Rückmeldung jetzt auch durch eine kleine Studie, die das Deutsche Jugendinstitut gemacht hat - damit wir nicht immer selber unsere Ergebnisse produzieren. Diese Studie hat gezeigt, dass es am Anfang Nervosität, Abwehr usw. gegenüber dieser vermeintlichen Qualitätsüberprüfung und Kontrolle gab. Aber wenn die Kitas die Erfahrung gemacht haben, dann sagen sie fast alle: So eine fundierte fachliche Rückmeldung habe ich noch nie zu meiner Arbeit bekommen, das hat total gut getan. Und beim nächsten Mal können sie ruhig ein bisschen kritischer sein, das hilft uns die blinden Flecken zu entdecken und das war gar nicht schlimm.

 

Kann man Tendenzen in der Qualität aus machen, zum Beispiel zwischen verschiedenen Trägern oder in verschiedenen Stadtteilen?

Klar, kann man von Träger zu Träger Unterschiede feststellen. Träger bringen ja auch ihr eigenes Profil mit hinein. Das soll auch so sein dürfen. Denken sie zum Beispiel an kirchliche Träger, denken Sie an Träger mit einem bestimmten weltanschaulichen Profil. Das wollen wir ja, diese Pluralität. Damit Eltern auch wirkliche Wahlmöglichkeiten haben. Aber wir können keine Qualitätsunterschiede feststellen, zwischen kleinen und großen und zwischen Nord-, Süd-, Ost-, Westbezirken oder der gleichen. Ich kenne sehr viele Kitas auch selber und ich kenne gute und schlechte in jedem Bezirk.

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