Umschalten und Aufladen!

Der erste Berliner Qualitätsdialog zur frühen Bildung sorgte im ehemaligen Umspannwerk für neue Energie für die Integration geflüchteter Kinder in Kitas.

Wie kann die Integration geflüchteter Kinder in die Berliner Kindertageseinrichtungen gelingen? Um diese Frage zu diskutieren kamen am 26. April rund 65 Personen aus dem Feld der frühen Bildung zusammen. Beim ersten Berliner Qualitätsdialog zur frühen Bildung sorgte nicht nur die Atmosphäre im ehemaligen Elektrizitätswerk für neue Energie bei den Teilnehmenden.

 

Integration – was heißt das eigentlich? Dieser Frage widmete sich zu Beginn der Fachvortrag von Dr. Mark Terkessidis. Der Migrationsforscher näherte sich dem Begriff kritisch: So unterstellt der Integrationsbegriff seiner Meinung nach, Neuankömmlinge müssten sich der Mehrheitsgesellschaft anpassen. Dabei kann kulturelle Vielfalt doch eine große Chance sein und ist durchaus erwünscht. Wäre es da nicht besser, sich vom Integrationsbegriff zu verabschieden und sich vielmehr darum zu bemühen, jedem Kind die besten Chancen für die individuelle Entwicklung zu ermöglichen? Fachkräfte müssen sich ihrer eigenen Vorurteile bewusst werden, appelliert er zuletzt an das Publikum.

 

Nach dem Fachvortrag stand für die Teilnehmenden aus Kindertageseinrichtungen, von Trägern und Jugendämtern der Austausch über gute Praxis auf dem Programm. An fünf Thementischen wurde berichtet, wie die Integration geflüchteter Jungen und Mädchen bereits gelebt wird. Was können Kommunen tun und wie erreicht man Eltern? Welche Chancen bieten Kitas, welche Familienzentren und welchen Beitrag leistet gute Netzwerkarbeit für die Integration geflüchteter Kinder?

So berichteten zum Beispiel zwei Vertreterinnen von Berliner Kitas von ihren Erfahrungen, die sie bei der Arbeit mit geflüchteten Kindern gemacht haben. Zunächst braucht es Verständigung mit anderen Akteuren darüber, wie die einzelnen Einrichtungen funktionieren und was sie bereits anbieten. Wichtig sei es zum Beispiel, in enger Abstimmung mit den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in den Übergangswohnheimen der Geflüchteten zu agieren. Welche Angebote gibt es dort bereits? Was ermöglicht die Kita oder das angrenzende Familienzentrum und wie können Angebote für geflüchtete Familien gemeinsam gedacht werden? Entscheidend ist, dass Angebote im Sozialraum miteinander verknüpft werden und man Möglichkeiten der Vernetzung nutzt, zum Beispiel in bezirklichen Arbeitsgruppen. In der Kita Vier Jahreszeiten in Berlin-Marienfelde arbeitet man außerdem daran, die Familien der geflüchteten Jungen und Mädchen in die Eingewöhnungsprozesse gut mit einzubinden – trotz sprachlicher Barrieren. So ermöglicht man es dort, dass ein Dolmetscher beim Erstgespräch mit den Familien dabei ist. Ein Rundgang durch die Räume der Einrichtung soll den Eltern verdeutlichen, wie Kita in Deutschland funktioniert. Das baut Ängste und Vorurteile ab und Familien schicken ihre Kinder mit einem guten Gefühl in die Einrichtungen. Eindeutig war hier: Es gibt nicht das eine Patentrezept, was für alle Kinder und Familien gleich gut funktioniert. Vielmehr muss man anerkennen, dass jedes Kind, ob mit Fluchterfahrung oder ohne, einzigartig ist und eigene Bedürfnisse hat. Diese individuellen Bedürfnisse zu achten, erfordert manchmal große Flexibilität im Arbeitsalltag. So erzählt Frau Hillenherms, Mitarbeiterin der Kita Hakuna Matata in Berlin-Reinickendorf zum Beispiel, dass bei Ihnen in der Einrichtung nun der Morgenkreis, der normalerweise am frühen Vormittag stattfindet, in die Mittagszeit verschoben wurde. So haben alle Kinder erst einmal Zeit, in Ruhe anzukommen.

 

Auch am Tisch zum Thema Kommune ging es um die Einbindung von Eltern. Dagmar Eckart, Stabstellenleiterin der Koordinierungsstelle Kommunale Prävention aus der Stadtverwaltung Gelsenkirchen berichtete von mobilen Kitas, die dort seit einiger Zeit im Einsatz sind. Ein Wohnwagen fährt in die Bezirke, in denen Familien ihre Kinder selten in Kitas schicken. An einem Vormittag können Eltern und Kinder dort gemeinsam mit Erzieherinnen einen Schnupperbesuch machen und so die Berührungsängste mit Kindertageseinrichtungen abbauen. Ein Modell, mit dem man auch geflüchtete Kinder und ihre Familien gut erreichen kann.

 

Insgesamt herrschte am Ende der Veranstaltung ein positiver Tatendrang. Angesichts der herausfordernden Situation, vor denen Verwaltungen, Träger und Kitapersonal im Moment stehen, darf man vor pragmatischen Lösungen nicht zurückschrecken. Natürlich darf die pädagogische Qualität vor Ort nicht leiden, jeder sollte aber die eigenen Spielräume ausloten und überlegen, was er oder sie gerade tun kann, um das Ankommen für geflüchtete Kinder und ihre Familien so angenehm wie möglich zu gestalten.

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