"Mehr Chancen als Herausforderungen"

Beim ersten Qualitätsdialog für frühe Bildung in Bayern ging es um die Integration geflüchteter Kinder in bayerische Kindertagesstätten.

Knapp 160.000 Geflüchtete sind laut Angaben des Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration im vergangenen Jahr nach Bayern gekommen – darunter auch zahlreiche Kinder. Viele von ihnen werden schon bald eine Kita oder eine Kindertagespflegestelle besuchen. Welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen für die Kindertageseinrichtungen damit verbunden sind, wurde am 5. April beim ersten Qualitätsdialog in Bayern diskutiert.

 

Rund 70 Teilnehmende waren der Einladung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gefolgt und brachten unterschiedliche Perspektiven und Erwartungshaltungen zum Thema mit in die Ansbacher Kammerspiele. Wo sonst Popkonzerte und Kleinkunst zu sehen sind, eröffnete Moderator Thomas Baier-Regnery am frühen Nachmittag die Veranstaltung.

 

Integration in der Kita – was heißt das eigentlich? Die pädagogischen Fachkräfte, Verwaltungs- und Verbandsmitarbeitenden erhielten zunächst fachlichen Input aus Praxis und Wissenschaft.

 

Prof. Dr. Irit Wyrobnik von der Hochschule Koblenz gab in ihrem Vortrag „Zwischen Unsicherheit und Wohlbefinden: Zur Situation von geflüchteten Kindern in Deutschland“ einen Einblick in die Situationen, denen Kinder auf der Flucht ausgesetzt sind. Dabei gibt es bestimmte schützende Faktoren, die dazu beitragen, dass sich Kinder auch in widrigen Umständen positiv entwickeln können. Die Wissenschaftlerin schlug vor, in der Arbeit mit geflüchteten Kindern an diesen Faktoren anzusetzen, z.B. indem verlässliche Beziehungen und gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten und Selbstwirksamkeitserfahrungen geboten werden.

 

Dr. Monika Wertfein vom Staatsinstitut für Frühpädagogik knüpfte an die Erkenntnisse ihrer Vorrednerin an und schlug die Brücke zur pädagogischen Praxis. Es sei, so betonte sie, für geflüchtete Familien häufig nicht leicht, aus dem „Überlebensmodus“ zurück in eine Art Alltag zu finden. Hier könnte plötzliches atypisches Verhalten von geflüchteten Kindern begründet liegen. In Kitas stehen die Erzieherinnen dann eventuell vor der Herausforderung, den anderen Kindern der Gruppe zu erklären, warum es dem neuen Spielgefährten nicht gut ginge. Dabei sind die anderen Kinder in der Kita wichtige Verbündete, wenn es darum geht, geflüchtete Kinder willkommen zu heißen.

 

Besonders interessant war auch der Blick von Nicole Schermer, die aus der Kommune Ansbach berichtete, wie dort mit geflüchteten Kindern umgegangen wird. So wird speziell darauf geachtet, ankommende Familien in Unterkünften speziell für geflüchtete Eltern mit Kindern unterzubringen. Dort gibt es häufig Spielzimmer oder Rückzugsräume für die Kinder. Trotzdem ist die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften natürlich nicht ideal für Kinder. Häufig bekommen sie zum Beispiel nicht genügend Schlaf.

 

Die wichtigsten Aussagen der Veranstaltung hielt eine Live-Zeichnerin grafisch fest. So entstanden kleine Bilder, die den Teilnehmenden die Problematiken und Lösungsmöglichkeiten gut veranschaulichten.

Im Anschluss stand der Austausch der Teilnehmenden, zunächst im Plenum, dann untereinander, auf dem Programm. Am meisten wurde hier über das Recht der geflüchteten Kinder auf einen Kitaplatz diskutiert. In der Praxis sehen viele hier noch ein Umsetzungsproblem. Außerdem waren die Teilnehmenden der Meinung, dass kulturelle Unterschiede wie andere Essgewohnheiten oder religiöse Feiertage in Kitas thematisiert werden sollten, anstatt sie als Themen zu vermeiden. Durch die natürliche Neugierde und das Interesse von Kindern entsteht so ein hilfreicher Austausch zwischen den Kindern.

Zudem ging es darum, wie Kinder mit Fluchterfahrung für die Einrichtung ein Anlass für Organisations- und Qualitätsentwicklung sein können. Die neue Zielgruppe bietet die Chance, die bisherige pädagogische Arbeit zu hinterfragen und mit neuen Ideenanzureichern.

 

Das Fazit der Veranstaltung war dann sehr positiv. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen mit einem guten Gefühl und vor allem wertvollen Denkanstößen nach Hause.

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Fachtagung in Berlin

27. Juni 2016

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