Treffen effektiver gestalten

Prozessbegleiterin Jutta Weimar im Interview über ihre Rolle bei Veränderungsprozessen. 

Netzwerke und Modellkommunen im Programm Qualität vor Ort erhalten über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren Unterstützung durch eine externe Prozessbegleitung. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Jutta Weimar arbeitet seit mehreren Jahren als Prozessbegleiterin und Moderatorin und betreut nun eines der ersten Netzwerke bei Qualität vor Ort.

 

Frau Weimar, was macht denn eigentlich eine Prozessbegleiterin?
Kurz gesagt: Meine Aufgabe ist es, einer Gruppe zu helfen, ihre Ziele zu erreichen und insgesamt effektiver zu werden. Und es geht auch darum, aus den Einzelperspektiven eine Gesamtperspektive zu machen.
Wir Prozessbegleitungen gestalten einen  Rahmen für den Prozess, sodass sich alle einbringen können und jeder etwas zum bestmöglichen Ergebnis beitragen kann. Das geht zum Beispiel dadurch, dass ich als Prozessbegleiterin die Gruppentreffen methodisch vorbereite und dann auch begleite: Ich suche die passende Methode aus, bereite Plakate vor, achte auf die Zeit und darauf, dass die Ergebnisse festgehalten und visualisiert werden. Im Programm Qualität vor Ort bin ich es zum Beispiel, die die Dokumentation der Treffen übernimmt und diese dann auch an das zuständige Servicebüro weitergibt. Da müssen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht zusätzlich kümmern.

 

Wenn Sie auf Ihre Erfahrung als Netzwerkmoderatorin zurückblicken, wovon  profitieren die Netzwerke am meisten?
Wichtig ist hier, dass sich die Prozessbegleitung immer daran orientiert, was die Gruppe braucht, und das kann unterschiedlich sein. Wir kommen nicht mit einem Patentrezept zu den Leuten oder, um ihnen etwas überzustülpen.
Ich sehe aber den großen Vorteil meiner Rolle als Prozessbegleiterin darin, dass ich überparteilich bin und inhaltlich neutral an die Prozesse herangehe. Ich bin nur der Sache verpflichtet, keiner inhaltlichen Position. Und das hilft viel, wenn es am Anfang noch darum geht, sich als Gruppe zu finden. Denn erst einmal kommen da nur Leute zusammen – noch keine Gruppe. Jeder bringt unterschiedliche Hintergründe und Positionen mit. Als neutrale Person kann ich helfen, eine gemeinsame Basis aller für den weiteren Prozess zu finden und feste Positionen im Dialog quasi zu verflüssigen.

 

Haben Sie ein Beispiel, wie Initiativen oder Netzwerke in der Vergangenheit von ihrer Hilfe profitieren konnten?
Ein konkretes Beispiel wäre ein Prozess, bei dem ich den Aufbau eines Familienzentrums begleitet habe. Da kommen von den Kitas und Kindertagespflegepersonen über Hebammen, Ärzte, Krabbelgruppen bis hin zu Beratungsstellen für junge Familien alle zusammen. Und dann gilt es, mit Hilfe der vielen verschiedenen Perspektiven zu einem guten Ergebnis zu kommen, das auch an den Bedarf im Ort angepasst ist. Und Sie müssen sich vorstellen: Die Organisationen und Einrichtungen, die da beteiligt sind, die wissen ja auch noch nicht, was ihnen der Prozess am Ende tatsächlich bringt. Wird alles so funktionieren, wie man sich das ursprünglich gedacht hatte? Meine Aufgabe war es hier, die Leute so zu unterstützen, dass sie bereit sind, Neuland zu betreten.

Bei einem anderen Prozess habe ich zunächst einmal auf einer Beziehungsebene Hilfe leisten müssen. Wenn ich merke, dass in einer Gruppe die Positionen so starr sind, dass ein gemeinsames Arbeiten fast unmöglich wird, dann muss ich diese scheinbaren Gegensätze und versteckten Konkurrenzen auflösen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Arbeiten miteinander sehr viel einfacher wird, wenn einmal alle Vorurteile dem Prozess gegenüber ausgesprochen wurden. Da kann ich als neutrale Beraterin von außen viel helfen.

Generell ist es ja so, dass die Leute die Arbeit in solchen Netzwerken wie bei Qualität vor Ort oft „on top“, zusätzlich zu ihren sonstigen Arbeitsaufgaben, machen. Dann ist es mir wichtig, dass die Treffen so angenehm und effektiv wie möglich gestaltet werden, sodass diese zusätzliche Zeit sinnvoll investiert ist.

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