Interview mit Dr. Barbara Junne - Programmleiterin des Deutschen Kita-Preises

 

 

 

Im Mai 2017 startete die Bewerbungsphase für den ersten Deutschen Kita-Preis. Seit wenigen Wochen stehen nun die Finalisten fest. Zehn Kitas und zehn lokale Bündnisse für frühe Bildung hoffen auf die Auszeichnung.  

Über das Ziel des Preises, die Bewertungskriterien und den Auswahlprozess spricht Barbara Junne, Programmleiterin Deutscher Kita-Preis, im Interview.  

 

Warum wurde der Deutsche Kita-Preis ins Leben gerufen? 

Der Deutsche Kita-Preis ist längst überfällig, um öffentlich zu betonen, dass Kita und Schule (als Erziehungs-, Bildungs-, und Betreuungseinrichtungen) gleichwertig sind. Den Deutschen Schulpreis gibt es schließlich schon seit zwölf Jahren. 

Vielerorts ist die Qualität in der frühen Bildung sehr hoch. Wir wollen der Öffentlichkeit diese guten Beispiele zeigen und zur Nachahmung anregen. Unser Ziel ist es, dass bei der Entwicklung von Qualität langfristig auch Kinder als Experten einbezogen werden. 

 

Anhand welcher Kriterien wurden die Finalisten ausgewählt und wie geht es nun weiter? 

Grundlage für die Beurteilung sind die vier Qualitätsdimensionen des Deutschen Kita-Preises. Kindorientierung - Kitas und Bündnisse nehmen Kinder als selbstbestimmte und kompetente Akteure ernst und ermöglichen ernsthafte Beteiligung von Kindern. Sozialraumorientierung - Die Lebenssituation von Kindern und Familien wird in die pädagogische Arbeit einbezogen und der umgebende Sozialraum als Lebens- und Lernraum genutzt. Partizipation - Alle Akteure, seien das Kinder, Eltern oder Fachkräfte, können ihre Wahrnehmung der Situation, ihre Kompetenz und ihre Impulse in die Arbeit der Kita oder des Bündnisses einbringen.  Und die vierte Dimension ist Lernen im Prozess. Das bedeutet, dass die Kita oder das Bündnis die eigene Praxis kontinuierlich mit allen beteiligten Akteuren reflektiert und weiter entwickelt.  Es werden Strukturen geschaffen, die Lernen und Entwicklung ermöglichen.  

 

Viele Eltern engagieren sich in ihrer Kita, das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage – wie bezieht der Deutsche Kita-Preis diese Zusammenarbeit von Familien und Kitas in die Auswahl der Preisträger ein? 

Partizipation ist als eine unserer Qualitätsdimensionen wichtiger Bestandteil unserer Auswahl. Uns ist es wichtig, dass in den Kitas nicht über die Eltern und Kinder hinweg entschieden wird. Idealerweise können Eltern direkt in den Dialog mit den Fachkräften aus Kitas und der Kindertagespflege sowie mit den Vertretern ihrer Gemeinde oder Stadt treten. Die Zusammenarbeit von Kitas, lokalen Bündnissen und Eltern hat einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Orientierungs- und Rollenmodelle der Kinder.  Beispielsweise wurde auf Initiative einer Stadt ein Elternrat gegründet, um die Belange der Eltern aus erster Hand zu erfahren und umzusetzen. Ein anderes Bündnis macht sich stark dafür, dass Eltern und Erzieherinnen einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder entwickeln. Das sind für uns positive Beispiele, wie Partizipation gelingen kann. 

 

Eine weitere Qualitätsdimension ist die Kind-Orientierung – was bedeutet das im Speziellen? 

Die Kind-Orientierung ist die zentrale Dimension des Deutschen Kita-Preises. Das bedeutet: Kitas und Bündnisse sollten, wann immer es möglich ist, die Perspektive der Kinder berücksichtigen und sich an den individuellen Lebenswelten der Kinder orientieren.  

So stellt ein Finalist bspw. das erforschende Lernen in den Mittelpunkt. Die Kinder erkunden selbstbestimmt den Kräutergarten, bauen Musikinstrumente oder experimentieren mit erneuerbaren Energien. So können Kita-Kinder ganz unkompliziert ihre spätere Schule, ein außerschulisches Bildungsangebot und die Bildungsmacher vor Ort kennen lernen – und dabei Erstaunliches erforschen. 

 

Ämter, Vereine, Schulen - Warum ist es so wichtig das Umfeld in die Kita-Arbeit einzubeziehen? 

Kinder finden im Sozialraum die vielfältigen Anregungen, die sie zu ihrer Entwicklung brauchen. Eine gute Kita bezieht deshalb alle möglichen Ressourcen in ihrem Umfeld mit ein. Das können medizinische und therapeutische Dienste, Familienzentren, Schulen, Ämter und Vereine oder aber der Bauernhof im Ort sein. Von der Vielfalt können die Kinder nur profitieren. Alle vorhandenen Kräfte in Städten und Gemeinden sollten ineinandergreifen, um Kinder und ihre Familien – quasi von der Schwangerschaft bis zum Berufseintritt - bestmöglich zu unterstützen. 

 

Über 1.400 Bewerbungen waren eingegangen – wie ist es möglich die vielen verschiedenen Einrichtungen, die unter unterschiedlichsten Bedingungen arbeiten, zu vergleichen? 

Eine Kita im Berliner Wedding hat natürlich andere Voraussetzungen als eine Einrichtung im ländlichen Allgäu. Deshalb schauen wir uns den Kontext an und fragen: Was machen Kitas und Bündnisse aus dem, was sie strukturell und lokal vorfinden? Es gibt zum Beispiel Kitas in Großstädten, die bewusst erfahrungsorientiertes Lernen in der Natur leben, während sich einige ländliche Kitas ganz neu der Begegnung mit geflüchteten Menschen zuwenden. Auch unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen spielen natürlich eine Rolle und müssen bei der Beurteilung in Betracht gezogen werden. 

 

Insgesamt gibt es vier Qualitätsdimensionen - müssen die Preisträger alle vier erfüllen? 

Wir zeichnen Akteure auf lokaler Ebene aus, die Herausforderungen frühkindlicher Bildung erkennen, ernst nehmen und gemeinsam zielorientiert angehen. Die Grundlage für unsere Beurteilung stellen die genannten vier Dimensionen dar. Aber auch die eigene Reflexionsfähigkeit spielt hier eine Rolle. So kann sich zum Beispiel ein Bündnis über Entwicklungsbedarfe in einzelnen Dimensionen bewusst sein und möchte diese in Zukunft angehen. Daher ist die Prozessorientierung für uns ebenfalls ein wichtiges Kriterium. Eine Kita oder ein Bündnis muss nicht perfekt sein, aber wir wollen sehen: Sie wollen dazu lernen, sie machen sich auf den Weg. 

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