Wissen Eltern, wie eine gute Kita aussieht?

Ein Interview mit Hamad Nasser über Elternarbeit im Nachbarschaftszentrum Schöneberg, Berlin.

Interview: Senem Kaya

Hamad Nasser arbeitet seit über 10 Jahren mit Familien im Berliner Stadtteil Schöneberg. Für seine Integrationsarbeit im Nachbarschaftstreff Steinmetzstraße wurde er mit dem Reuter-Preis ausgezeichnet.

 

Was denken Sie aus den Erfahrungen Ihrer Arbeit: Wissen Eltern, welche Qualitätsansprüche sie an Kitas stellen können?

Zum Teil ja. Aber genau das ist der Punkt - es gibt viel Nachholbedarf. Wir haben das in den Kursen zur Elternqualifizierung gemerkt. Da gibt es eine deutliche Unkenntnis, was sie erwarten können. Bei Schulen ist das etwas anderes, weil man da die Entwicklung der Kinder besser messen kann. Dass man auch in der Kita Qualitätsansprüche stellen kann, ist weniger bekannt. Ich denke, da muss man die Eltern noch viel aufklären. Dann können sie sich auch besser an der Qualitätsdiskussion beteiligen.

 

Sie bieten Kurse speziell für Väter an. Warum?

Wir haben bewusst die Väter als Zielgruppe definiert und ziehen sie durchgehend mit ein. Angefangen haben wir 2005, da war die Diskussion, um die Beteiligung der Väter noch am Anfang. Familienzentren und Kitas hatten damals besonders in Berlin auf Grund einiger Ereignisse und Integrationsverläufe Bedarf für Gespräche – das haben wir erkannt und haben im richtigen Moment versucht, ein Forum dafür zu bieten. Unterdessen liegt Berlin in der Beteiligung von Vätern bundesweit ganz vorne. Und die Väter haben verstanden, dass sie erwünscht sind, sie sollen mitmischen. Noch immer ist die Beteiligung der Väter nicht so hoch wie bei den Müttern, vor allem in der Kita. Das liegt sicherlich auch daran: Wer spricht sie an und wie? Das ist eine pädagogische Diskussion, die noch immer läuft. Väter haben selten einen Überblick, wie eine Kita aussehen kann. Ich gehe in viele Kitas, sowohl in eigene, als auch in Partnerkitas – ich merke da immer wieder deutlich, dass eine gewisse Unsicherheit herrscht. Das verursachen möglicherweise auch die Erzieherinnen, auf Grund von Berührungsängsten und einer weniger gewohnten Situation.

 

Deshalb bieten wir seit 2005 regelmäßig einen Termin in der Woche an, an dem Väter zusammen kommen und ihre Kinder mitbringen. Wir versuchen eine Tradition zu schaffen - also eigentlich alte Traditionen zu brechen. Und viele Väter sagen: Es ist wunderschön.

 

Unterdessen ist es auch wirklich gut untersucht, dass sich immer mehr Väter beteiligen. Man könnte sagen, wir bewegen uns Richtung Mainstream. Es wird erkannt, dass traditionelle Rollenbilder für die Entwicklung und frühe Förderung von Kindern nicht hilfreich sind.

 

Beteiligen sich Väter verschiedener Kulturen unterschiedlich häufig?

Ich habe in den letzten zehn Jahren erkannt - auch im Austausch mit ganz vielen Väternetzwerken - es ist keine kulturelle Diskussion. Eher ist es eine Bildungsdiskussion. Selbst wenn Väter traditionell oder religiös geprägt sind, haben sie trotzdem eine selbstverständliche Haltung, was Beteiligung und frühe Förderung angeht. Sie machen sich Gedanken und reflektieren, wo sie ihre Kinder sehen wollen. Es braucht, einfach eine gute Ansprache, um sie mit einzubeziehen. Dann erkennen sie viel schneller: Ich bin erwünscht, ich muss hier mitziehen. Es geht ja um meine eigenen Kinder, das sind die wertvollsten Menschen, die man hat.

 

Noch mal zurück zu meiner ersten Frage, ob Eltern wissen, was sie an Qualität fordern können. Gibt es da Unterschiede zwischen den Kulturen?

Ich glaube auch da, hängt das Wissen von der sozialen Schicht ab. Das sieht, man wenn Eltern sich beraten lassen: Welche Kita ist gut? Schon die Frage alleine, zeigt deutlich, die machen sich Gedanken. Was heißt gut? Da kann man dann schon über Qualität reden. Es gibt vielleicht einen Punkt, wo die Kultur eine Rolle spielt, wenn Eltern sich nicht angenommen fühlen. Das ist erstmal eine subjektive Aussage. Trotzdem muss man sie in einer Bildungseinrichtung ernst nehmen. Auch der Austausch zwischen den Eltern ist deshalb sehr wichtig.

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