Gute Betreuung für große Kinder

 

Die Dialogkonferenz am 27. Juni in Berlin nimmt die Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern in den Blick und legt den Fokus auf die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe.

 

Wohin mit der Stinkbombe Hausaufgaben?

Was brauchen Schüler am Nachmittag? Dieser Frage gehen Prof. Dr. Karin Böllert von der Universität Münster, Kinder- und Jugendpsychologin Oggi Enderlein, Elternvertreter Norman Heise sowie Juliane Winkler und Axel Junker von der Friedenauer Gemeinschaftsschule in Berlin nach. In der Gesprächsrunde wird schnell klar: Es braucht dringend gute Kooperationen zwischen Jugendhilfe und Grundschule, damit jedes Kinde am Nachmittag bestmöglich betreut und auch gefördert werden kann. Jugendhilfe und Schule schauen nämlich aus zwei verschiedenen Blickwinkeln auf das Kind – nur wenn beide Sichten kombiniert werden, ergibt sich eine optimale individuelle Förderung.

 

Der Nachmittag kann für informelles Lernen genutzt werden, Kinder müssen sich austoben, sich dreckig machen dürfen. Ganztag soll keinesfalls nur eine Verlängerung der Schulzeit sein. Im Gegenteil, „Ganztag kann Schule spannend machen“, sagt Norman Heise in der Runde. Ein abwechslungsreiches Angebot, aus dem Kinder auch selbst wählen können, sei aus Sicht der Wissenschaftlerin Böllert sehr wichtig. Oggi Enderlein betont, Grundschulkinder dürfe man nicht mehr behandeln, als seien sie noch Kleinkinder. Vielmehr müsse es die Möglichkeit geben, dass Kinder Freiheiten bekommen. Solange man mit den Eltern gute Absprachen träfe, könnten Kinder in Dreiergruppen zum Beispiel die Zutaten für eine Koch-AG selbst einkaufen gehen. Doch Juliane Winkler hakt ein: Die Eltern seien ängstlich, teilweise übervorsichtig und schränkten die Gestaltungsfreiheit im Ganztag ein. Elternvertreter Heise widerspricht und betont, es gehe vielen Eltern lediglich um bessere Planbarkeit. Mit vorheriger Absprache könne man sein Kind auch gerne mal von einem nahegelegenen Spielplatz abholen. Generell fordert der Elternvertreter, Mütter und Väter mehr einzubeziehen. „In Kitas gibt es die Bring- und Abholsituation, da spricht man mit den Erzieherinnen und Erziehern. In der Grundschule fällt das plötzlich weg“, fasst er ein typisches Problem von Eltern zusammen.

 

Ein Thema treibt sowohl die Teilnehmenden auf dem Podium, als auch das Publikum um: Gehören Hausaufgaben in den Ganztag? Oder gehören sie nach Hause, zu den Eltern? Oder sollten die Hausaufgaben gar ganz abgeschafft werden, wo doch die Kinder ihre Nachmittage häufig in der Schule verbrächten? „Hausaufgaben sind wie Stinkbomben, die zwischen Schule, Jugendhilfe und Eltern herumgereicht werden“, resümiert Juliane Winkler die Uneinigkeit auf dem Podium. Bei der Frage ins Publikum, ob Hausaufgaben nicht einfach abgeschafft werden sollten, stimmt eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmenden mit Ja.

Wie kann die Kooperation von Jugendhilfe und Grundschule gelingen?

In Gesprächsforen und an Thementischen geht es am Nachmittag um den Transfer des Gehörten in die Praxis. Welche besonderen Chancen hält der Ganztag für geflüchtete Kinder bereit? Wie gelingt die Kooperation mit außerschulischen Partnern? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für verschiedene Angebote und in verschiedenen Bundesländern? Im Gespräch der Teilnehmenden wird häufig auch die Frage nach der Haltung diskutiert: Wie können Jugendhilfe und Schule wertschätzender miteinander umgehen? Vielfach werden Teamtage und Kommunikationstrainings als Lösungsvorschläge genannt. Denn eines stand für alle Anwesenden fest: Nur gemeinsam kann man die beste Lösung für jedes Kind erzielen. Oder wie Schülerreporter Kasimir es zusammenfasst „Die Situation ist wie ein Fußballspiel. Um ein Tor zu erzielen, müssen alle mit einbezogen werden…man muss am Ball bleiben“.

 

 

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Die Veranstaltung aus Sicht der Kinderreporter

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