Akteure gut zusammenbringen

Maria-Theresia Münch vom Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. formuliert im Interview ihre Erwartungen an Qualität vor Ort.

Interview: Senem Kaya

Maria-Theresia Münch ist wissenschaftliche Referentin beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. und dort Expertin für die Themen Frühe Bildung, Personal in der Kindertagesbetreuung sowie Weiterentwicklung der Fachberatung, Fachdienste und Träger.

 

Bildung ist in Deutschland ja Ländersache. Wie unterschiedlich ist die Qualitätsdiskussion in den verschiedenen Bundesländern?

Da ist wirklich von 0 bis 100 alles dabei. Nehmen wir zum Beispiel Rheinland Pfalz. Die befördern den Qualitätsprozess schon seit vielen Jahren - das liegt auch an den Personen, die dort tätig sind. Dort wurde eine gemeinsame Qualitätsempfehlung entwickelt - auf Landesebene. Und zwar gemeinsam mit den Trägern, mit den Kommunen, mit Fachleuten und der Wissenschaft. Auch der Qualitätsdialog soll dort jetzt noch mal stärker befördert werden. Dieser Prozess ist gerade am Laufen und wird von einem eigenen Institut unterstützt. Die Akteure in Rheinland Pfalz wollen sich so gemeinsam auf Qualitätsrichtlinien einigen. Richtlinien, nicht im Sinne von einem Gesetz, sondern von Standards. Es sollen landesweit gemeinsame Qualitätsstandards entstehen.

 

Dann gibt es beispielsweise das Land Hessen: Da überlässt das Land – nach meiner Beobachtung – die Qualitätsdiskussion komplett der Landschaft selbst. Es gibt ganz wenige Empfehlungen zur Ausgestaltung, wie die Landesgesetzgebungen. Aber beispielsweise gibt es keine Richtlinien oder auch keine Unterstützung für die Träger in Hinsicht auf die Fachberatung. Auch die Anteile für die Leitungsaufgaben sind überhaupt nicht landesgesetzlich geregelt. Der Vorteil ist, dass die Akteure vor Ort so eine komplette Freiheit haben. Natürlich können sie nicht machen, was sie wollen - es gibt ja noch immer das SGB VIII* - aber sie sind komplett frei in ihrer Ausgestaltung.

 

Dass heißt also nicht, dass diese komplette Freiheit zwangsläufig zu schlechteren Kitas führt?

Nein! Aber da müsste man sich dann noch mal mit den Fachkräften vor Ort unterhalten.

 

Was kann das Programm Qualität vor Ort leisten? Kann es diese Unterschiedlichkeit zusammenbringen? Können bundesweit Eckdaten oder Standards entstehen, die verbindlich sind?

Ob Standards entstehen können, weiß ich nicht. Ich finde es wichtig – das haben auch Frau Bundszus und Frau Kahl gesagt – zwischen der Bundes- und der Länderebene rückzukoppeln: Reden wir eigentlich über die gleichen Dinge? Das kann dieses Programm auf jeden Fall leisten. Da bin ich auch schon sehr gespannt darauf: Was für Verständnisse von Qualitäten sind vor Ort? Und wie unterschiedlich sind sie wirklich?

 

Das ist das Eine. Und das andere ist: Ich glaube, das Programm kann die Akteure vor Ort gut zusammen bringen. Aber dafür muss wirklich gut hingehört werden. Welche Diskussionen gibt es vor Ort? Welche Verständnisse gibt es da zum Thema Qualität? Wichtig ist, ohne etwas Vorgefertigtes hineinzugehen, sonst machen die Akteure vor Ort vielfach dicht.

 

Ich denke, dass ist die Chance der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, tatsächlich die entscheidenden Akteure mit ins Boot zu holen. Kommunalpolitiker, Bürgermeister, Akteure aus der Verwaltung und eben auch aus der Praxis. Trägervertreter, sind zum Beispiel sehr wichtig, Wissenschaftler und die Eltern. Ich glaube, dass kann die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung auf Grund ihrer Erfahrungen aus anderen Programmen gut leisten. Ich finde das Programm super!

 

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*Achtes Buch Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe

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